Ein idyllischer irischer Vorort

Wer kennt die Wahrheit? Wer trägt die Schuld?

Marissa und Peter sind neu in einem kleinen Vorort von Dublin. Als ihr vierjährige Sohn zu einem Playdate zu Jacob eingeladen wird, freut sich Marissa, es ist die Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen. Als sie Milo abholen will und zur vereinbarten Adresse kommt, öffnet ihr nicht Jenny, auch kein Kindermädchen, sondern eine unbekannte Frau, und diese hat noch nie von Milo gehört. Und es wird noch schlimmer, es gab kein Playdate mit Jacob, Jenny weiss von nichts. Für Marissa und ihren Mann Peter beginnt ein Alptraum. Fieberhaft wird nach dem vierjährigen Jungen gesucht, die ganze Nachbarschaft wird auf den Kopf gestellt. Schnell ist klar, dass Milo entführt worden ist. Wer steckt dahinter? Und warum?

Böse Gerüche machen die Runde und eine junge Frau gerät ins Visier der Polizei. Die Wahrheit verbirgt sich hinter abgründigen Geheimnissen, Schicht um Schicht wird freigelegt - zu viele hüten ein Geheimnis.

"Alles ihre Schuld" ist ein Thriller, der einen langsam in den Bann zieht, aber dann gibt es kein Zurück mehr. Auch wenn man denkt, die Lösung zu wissen, tauchen neue Verdächtige auf und plötzlich werden Verbindungen sichtbar, mit denen man nicht gerechnet hat. Es ist kein brutaler Thriller, Blut fliesst keins - höchstens das eigene Herz klopft ein bisschen schneller.

Andrea Mara: Alles ihre Schuld  Goldmann Verlag

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Auf der Suche nach der inneren Freiheit

Für Küstengängerinnen und Schatzsucherinnen

Julika ist Bernsteinforscherin. Unter ihrem Mikroskop öffnet sich eine vergangene Welt. Sie betrachtet Farne, Echsen - alles Leben, was vor Millionen von Jahren vom Harz der Urzeitwälder eingschlossen worden ist. Wenn sie abends nach Hause geht, wartet ihre kranke Mutter auf sie, das Leben steht dann still.

Ebba ist ein wildes Mädchen, eng verbunden mit Meer, in ihren Adern fliesst Salzwasser. Ihr Vater ist Fischer und im Winter, wenn die Winterstürme wüten, sucht er nach Bernstein, den er aus den Wellen fischt. Im Jahr 1943 findet er viel. Dieser muss abgegeben werden, daraus werden Kriegsgeräte hergestellt. Ebba ist oft dabei, sie weiss, wo und wie sie suchen muss. Nach einer Sturmnacht findet sie ein besonders grosses Stück und anstatt es abzugeben, versteckt sie es.

Jahrzehnte später landet dieses Stück unter Julikas Mikroskop. Eingeschlossen in Bernstein taucht ein aussergewöhnliches Insekt auf, möglicherweise eine wissenschaftliche Sensation. Julika will mehr über die Herkunft erfahren und macht sich auf die Suche nach der Finderin.

Ebba ist mittlerweile 90 Jahre alt und lebt alleine an der Steilküste von Niendorf. Die erste Begegnung verspricht nicht viel, doch irgendwann fasst Ebba vertrauen und beginnt zu erzählen - von einer Liebe, über die Jahrzehnte, Stürme und Schicksalsschläge. 

"Die Bernsteinfischerin" erzählt von zwei Frauen, die von Bernstein fasziniert sind, schwere Verluste erlitten haben und sich aus der Familienenge befreien und ihren eigenen, unabhängigen Weg suchen müssen. Nebst den beiden Hauptfiguren spielt die Ostsee eine wichtige Rolle und ganz nebenbei erfahren wir viel über Bernstein. Liebe, Drama und Spannung oder ganz einfach: beste Unterhaltung.

Lisa Quengin: Die Bernsteinfischerin

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Vom Versuch, dem eigenen Schicksal zu entkommen

Jägerin und Gejagter

18 Jahre hat Birdie auf diese Nachricht gewartet, jetzt ist es soweit, James Maguire, der ihre Schwester ermordet hat, wird aus dem Gefängnis entlassen. In diesen vielen Jahren hat sie sich ein echtes, liebevolles Zuhause aufgebaut, und doch braucht es nur diesen einen Anruf und sie lässt dieses Leben hinter sich, um den Mörder ihrer Schwester zu richten.

James Maguire hat Gruppentherapien, endlose Gedankenspiralen und stundenlanges Warten auf die Entlassung hinter sich. Gestanden hat er die Ermordung seiner Freundin Providence nie. Kaum ist er draussen, begibt er sich auf die Suche nach tief vergrabenen Erinnerungen und merkt nicht, dass die Schwester des Mädchens, welches er ermordet haben soll, ihm dicht auf den Fersen ist. 

Von London über Cornwall führt die Reise bis in ihre Heimat Devon und in dieser Zeit führt uns die Geschichte in die Vergangenheit, in die Kindheit und Jugendzeit von James, Birdie und Providence. Die beiden Mädchen sind von ihrer Mutter bei der Grossmutter abgestellt worden, während James aus schwierigen Familienverhältnissen kommt. 

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Birdie, James und seinen nie abgeschickten Briefe an seine Tochter Donna, die ihn auf seinem Trip nach Hause begleitet. 

"Sunshine Man" ist ein erschütternder, sozialkritischer Roman, düster, aber doch mit Lichtblicken, hochspannend, aber kein herkömmlicher Thriller, der noch lange nachhallt. 

Emma Stonex: Sunshine Man  Fischer Verlag

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Von grossen und kleinen Absurditäten des Lebens

Bin ich das?

Henrik Popóm ist unzufrieden, dem Endzwanziger will im Moment nichts so richtig gelingen. Bei der Arbeit sitzt er mehr oder weniger die Zeit ab und mit Freundin Anja ist es auch schon besser gegangen. Eines Abends beschliesst er, in seinem Kiosk Brause und Erdbeerschokolade zu holen und da passiert es: Er trifft auf Popóm. Obwohl dieser fast doppelt so alt ist wie er, weiss Hendrik: Dieser Mann bin ich! 

Henrik entwickelt eine merkwürdige Beziehung zu Popóm, der von Dosenpfirsichen lebt und einen Pfeifenladen besitzt. Er sucht im Internet nach einer Erklärung für seinen älteren Doppelgänger, befragt KI, aber eine Erklärung gibt es keine.

Die beiden Männer nähern sich zögerlich an, besonders Popóm kann nicht recht glauben, dass er sein jüngeres Ich vor sich haben soll. Ihre Beziehung ist rätselhaft, mal begegnen sie sich wie beste Freunde, beim nächsten Mal wie Rivalen. 

Henrik sucht in Popóm was ihm im Leben fehlt - Halt und Zuversicht. Doch dieser weicht zurück, je mehr sich Henrik an ihn klammert. Irgendwann vertraut er sich einer Arbeitskollegin an und begreift, welch hoher Preis man zahlt, wenn man sich dem Leben entzieht.

Was grotesk klingt, entpuppt sich beim Lesen als aberwitzige Sinnsuche eines Mannes in einer Krise. Autorin Johanna Sebauer schreibt äusserst unterhaltsam, weiss, wann sie im richtigen Moment Nebenstränge öffnen muss und sie hat ein gutes Gespür für kuriose Details.  

Johanna Sebauer: Popóm  DuMont Verlag

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Von der Sehnsucht anzukommen

Der Weg ist das Ziel

Die neunzehnjährige Liesel lebt mit ihrer lethargischen Mutter Melanie in beengten Verhältnissen und hat nur eine Person, die für sie wichtig ist: Emmi, ihre Grossmutter. Diese verliert sich zunehmend in der Demenz, die Erinnerungen verschwimmen und verschwinden langsam. Immer mehr sehnt sie sich nach ihrer alten Heimat Ostpreussen, lässt Namen fallen, mit denen Liesel nichts anzufangen weiss. Da niemand mit Liesel über die Vergangenheit spricht, beschliesst sie, dieser auf die Spur zu kommen und entführt kurzerhand ihre Grossmutter aus dem Pflegeheim. An ihrer Seite ist der Hilfspfleger Jascha, der einen alten Lada organisiert und die beiden auf ihrer Reise nach Polen begleitet.

Was wie ein trotziges Vorhaben beginnt, wird immer mehr zu einer Reise voller Komik und Schmerz. Je mehr Liesel erfährt, desto unsicherer wird sie, ob diese Reise wirklich richtig ist. Wie viel darf sie Emmi zumuten?

"Ist doch schön hier" von Miriam Burdelski beginnt ganz harmlos, eine Geschichte, wie wir sie schon öfters gelesen haben mit einer Grossmutter, die langsam dement wird. Doch dieser Roman hat es in sich. Er versprüht eine gewisse jugendliche Leichtigkeit, wird aber ernsthafter und gewaltiger und zum Ende hin ist man tief berührt - ein wunderbares Buch!

 

Miriam Burdelski: Ist doch schön hier  Verlag Blessing

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